Atemvertiefung

Unsere Lungen sind von einer Vielzahl von Muskeln umgeben, die unsere Atmung bewirken. Weiten sich die Muskeln, weiten sie auch die Lungen, die wie ein Schwamm darauf angewiesen sind, ausgewrungen und dann geweitet zu werden, damit Sauerstoff in unseren Körper hineingesogen und Kohlendioxid ausgetrieben werden kann. Je besser unsere Atemmuskeln dabei zusammenarbeiten, desto effektiver gelingt dies. 

Ein Beispiel: Unser größter Atemmuskel ist das Zwerchfell – eine große, horizontale Muskelplatte, die auf Höhe unserer untersten Rippen unseren oberen Rumpf vom unteren Rumpf trennt. Bei der Einatmung spannt sich das Zwerchfell an und bewegt seinen Muskelkörper bis zu 12 cm nach unten; dadurch werden die Lungenflügel geweitet, denn diese sind an ihm angewachsen und werden mitgezogen. Dadurch wird Sauerstoff in die Lungen gesogen. Damit das Zwerchfell effektiv nach unten wandern kann, müssen sich gleichzeitig die Bauchmuskeln entspannen. Warum? Im Bauchraum ist eigentlich kein Platz für eine solch große Bewegung. Indem sich die Bauchmuskeln aber gleichzeitig entspannen, kann das Zwerchfell die Gedärme nach vorne hinausschieben und damit Platz für sich selbst und die aufgedehnten Lungenflügel schaffen (= Bauchatmung). Bei der Ausatmung kommt es zum umgekehrten Vorgang: Die Bauchmuskulatur spannt sich an (= Bauchpresse) und schiebt die Eingeweide zurück in die Bauchhöhle und dadurch indirekt Zwerchfell und Lunge wieder in ihre Ausgangspositionen. Das Lungenvolumen wird damit verringert, wir atmen aus.

Neben Zwerchfell und Bauchmuskulatur gibt es noch eine Vielzahl von weiteren (Hilfs-)Atemmuskeln: Brustmuskeln, Zwischenrippenmuskeln, Halsmuskeln, Rückenmuskeln und Beckenmuskeln. Alle zusammen formen ein Muskel-Orchester, dessen Rhythmus und Ton die Hintergrundmusik unseres Lebens ist. Sind wir ängstlich, atmen wir schnell und unregelmäßig; packt uns die Wut, atmen wir tief ein und schnaubend aus; angefüllt mit Zärtlichkeit atmen wir tief und ruhig, ebenso wenn wir gelassen sind.

Haben wir Verspannungen in unserer Atemmuskulatur, so geht Lebensqualität verloren. Wir verharren dann in bestimmten Atemmustern und manchmal auch in den zugehörigen Emotionen, die sonst der Windhauch unserer gesunden Atmung – nach angemessener Zeit – wieder davon blasen würde.

Solche Verspannungen möchte ich mit Ihnen zu lösen versuchen, damit Sie Ihre Atmung neu entdecken lernen. Die Sensomotorische Körpertherapie kann hier ein wirkungsvolles Instrument sein.